Vorlesungen

Der Vorlesungszyklus umfasst 20 Vorlesungen.
Bitte beachten Sie, dass die Vorlesungen im PAVILLON IM PARK stattfinden werden. 

Montag 24. Oktober 2022, 14.30 Uhr:
Innovationen für gesunde Langlebigkeit: Warum es sich lohnt, «das Alter» neu zu denken

Montag 24. Oktober 2022, 14.30 Uhr

Innovationen für gesunde Langlebigkeit:
Warum es sich lohnt, «das Alter» neu zu denken

PROF. DR. MIKE MARTIN, Universität Zürich, Gerontologe, Direktor des UZH Healty Longevity Center und des Healty Longevity Innovation Cluster und Koordinator eines Netzwerks der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von Forschungszentren im Bereich der Alternsforschung

Innovationen sind die nachhaltige Umsetzung von neuen Ideen in Produkte und Dienstleistungen, die für Einzelne und die Gesellschaft wertvoll sind. Sie beruhen darauf, dass Sachverhalte mit neuen Augen angeschaut werden. Gerade deshalb ist Langlebigkeit potenziell ein riesiges Innovationsfeld: In den letzten Jahrzehnten beruhten neue Dienstleistungen im Altersbereich zumeist auf der Wahrnehmung von Defiziten und Erkrankungen, die im Durchschnitt im Alter häufig vorkommen. Aber: «Das Alter» gibt es gar nicht, denn die Unterschiede zwischen und innerhalb von Personen im gleichen Alter sind in jeder Hinsicht grösser als die Gemeinsamkeiten. Mit besseren Daten über die Vielfalt des Alterns und die Vielfalt von Bedingungen, die gesunde Langlebigkeit möglich machen, kann man das Alter neu denken. Also etwa nach Innovationen suchen, die vorhandene oder neue Technologien nicht nur zur Früherkennung von Krankheiten nutzen, sondern auch dazu, nutzenumgebungs- und situations-angepasste Rückmeldungen über individuell bedeutsame Aktivitäten, etwa in den Bereichen Bildung, soziale oder geistige Aktivitäten oder Schlaf bereitzustellen. Oder Innovationen, die älteren Menschen neue Rollen jenseits der Verringerung von Gesundheitskosten ermöglicht oder sie zu Innovations-Partern:innen macht. Im Vortrag wird erläutert, wieso und wie die Weltgesundheitsorganisation in den kommenden Jahren Grundlagenforschung und Innovationsentwicklung im Bereich gesunder Langlebigkeit koordinieren will und damit erkennbar zu machen, dass diese Innovationen für Wirtschaft, Gesellschaft und Individuen wertvoll sind.

Montag 31. Oktober 2022, 14.30 Uhr:
Demokratie, Diktatur, Krieg

Montag 31. Oktober 2022, 14.30 Uhr

Demokratie, Diktatur, Krieg

ROGER DE WECK, Autor, Podcaster und Gastprofessor am College of Europe, Ehrendoktor der Universitäten Freiburg und Luzern

Auch in der Schweiz und in der westlichen Welt finden Putin & Co. etliche Freunde – warum? Reaktionäre Populisten bewundern «starke Männer» die allerdings schwach regieren. Die Demokratie ist den autoritären und totalitären Regimes überlegen. Allerdings muss sie sich laufend erneuern, um auf der Höhe des digital-ökologischen 21. Jahrhunderts zu bleiben. Ein gemeinsames Nachdenken mit dem Autor von «Die Kraft der Demokratie-Eine Antwort auf die autoritären Reaktionäre», mit dem er 2021, mit dem Bruno-Kreisky Preis für das Politische Buch ausgezeichnet wurde.

Montag 7. November 2022, 14.30 Uhr:
Wie weiter mit der Neutralität

Montag 7. November 2022, 14.30 Uhr

Wie weiter mit der Neutralität

PROFESSOR DR. RENÉ RHINOW, emer. Ordinarius für öffentliches Recht, Universität Basel, alt Ständerat FDP

Seit dem brutalen Angriff Russlands auf die Ukraine und den Sanktionsmassnahmen der EU, die die Schweiz übernommen hat, wird seit langem wieder über die Neutralität der Schweiz diskutiert. Die SVP will sogar eine Volksinitiative lancieren und die Neutralität in die Bundesverfassung aufnehmen. Was heisst Neutralität überhaupt? Was versteht das Volk unter Neutralität? Wie ist sie rechtlich verankert? Was ist unter Neutralitätspolitik zu verstehen? Dient sie der aktuellen und künftigen Sicherheit der Schweiz oder hindert sie uns, unsere aussenpolitischen Ziele, wie sie in der Bundesverfassung verankert sind, zu verfolgen? Wird sie im Ausland überhaupt noch verstanden? Ist sie zum blossen Mythos verkommen? Soll sie aufgegeben oder weiterentwickelt werden? Diesen und weiteren Fragen geht der Referent nach.

Montag 14. November 2022 14.30 Uhr:
Wie käuflich ist die Schweizer Politik?

Montag 14. November 2022 14.30 Uhr

Wie käuflich ist die Schweizer Politik?

MARTIN SCHLÄPFER, ehem. Leiter Direktion Wirtschaftspolitik beim Migros-Genossenschafts-Bund, Journalist, Mitglied der Schweizerischen Public-Affairs Gesellschaft

Der Ruf nach Transparenz in der Schweizer Politik wird lauter. In mehreren Kantonen, so auch in Schaffhausen, sind Volksinitiativen angenommen worden, die verlangen, dass Parteispenden und Kampagnengelder offengelegt werden. Auf Druck einer Volksinitiative hat das Bundesparlament letztes Jahr erstmals Transparenzvorschriften verabschiedet. Nach wie vor ist das politische Lobbying in der Schweiz nur marginal geregelt. Berufslobbyisten sind nicht akkreditiert, sondern sind von Ratsmitgliedern abhängig, die ihnen einen Zutrittsbadge verschaffen, was immer wieder zu Kritik führt. Eidgenössische Parlamentarierinnen und Parlamentarier verstehen sich oft als die besseren Lobbyisten und sind bei der Annahme von Mandaten wenig wählerisch. Gezielt werben Verbände und Firmen Ratsmitglieder an, nicht weil sie besonders kompetent sind, sondern in einer für sie relevanten Kommission sitzen. Im Gegensatz zu andern Ländern können hohe Beamte ohne Karenzfrist in der Privatwirtschaft oder bei Verbänden anheuern; auch jenen, mit denen sie in ihrer Funktion eng zusammengearbeitet haben. Ehemalige Bundesräte wechseln wiederum nahtlos in Verwaltungsräte von Firmen, ohne eine «Anstandsfrist» einzuhalten. Fazit: Im internationalen Vergleich hat die Schweiz beim Lobbying regulatorisch Nachholbedarf.

Montag 21. November 2022, 14.30 Uhr:
«Cancel Culture!» – «Diskriminierung!». Eine kurze Geschichte der Kritik und Zensur

Montag 21. November 2022, 14.30 Uhr

«Cancel Culture!» – «Diskriminierung!». Eine kurze Geschichte der Kritik und Zensur

PROF. DR. CASPAR HIRSCHI, Lehrstuhl für Allgemeine Geschichte, Universität St. Gallen

Seit Jahren tobt in Europa und Amerika eine Kontroverse um die Grenzen der Meinungsfreiheit. Nur wird sie selten in diesem Namen geführt. Die eine Seite kämpft gegen «Cancel Culture», die andere gegen «Diskriminierung», und beide unterstellen sich gegenseitig die schlimmsten Absichten. In China und Russland wiederum herrscht eine rigorose Zensur, die jeden Streit um die Meinungsfreiheit im Vornherein erstickt.

Vor dem Hintergrund dieser verworrenen Situation kann eine Geschichte der Kritik und Zensur Orientierung stiften. Wir gehen den Ursprüngen der Kritik in der Frühen Neuzeit nach, untersuchen die Ideen und Medien, mit denen sie sich Bahn brach, und verfolgen die harten und subtilen Massnahmen der Zensur, mit der sie in der Folge immer wieder eingeschränkt und domestiziert wurde. Ziel ist es, die moderne Demokratie als eine Streitgemeinschaft zu verstehen, die immer wieder von Neuem aushandeln muss, worüber man reden darf und schweigen muss.

Montag 28. November 2022, 14.30 Uhr:
Russland, Europa und Asien

Montag 28. November 2022, 14.30 Uhr

Russland, Europa und Asien

PROF. DR. ULRICH SCHMID, Prorektor Aussenbeziehungen, Universität St. Gallen Professor für Kultur und Gesellschaft Russland

Russlands Überfall auf die Ukraine bedeutet eine Zeitenwende. Der Kreml hat damit nicht nur die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Grundlagen der Ukraine unterminiert, sondern auch Russland selbst in eine maximale Isolation manövriert.

Europa wird sich überlegen müssen, wie es sich zu einem postputinistischen Russland verhalten will. Russland muss seinen Gesellschaftsvertag aushandeln. Und Asien – vor allem China – muss eine neue Balance zwischen dem Westen und Russland finden.

Montag 12. Dezember 2022, 14.30 Uhr:
Anna, Pauline und Emma Huber: drei ledige Frauen und ihr Schicksal

Montag 12. Dezember 2022, 14.30 Uhr

Anna, Pauline und Emma Huber: drei ledige Frauen und ihr Schicksal

VERENA E. MÜLLER, Historikerin und Publizistin

Ihre Namen sind nur überliefert, weil ihr jüngster Bruder Eugen (1849-1923) als Schöpfer des Schweizer Zivilgesetzbuches in die Geschichte einging. Allerdings hatte auch August, der ältere Bruder (1841-1914), als Prokurist bei der Kreditanstalt den beruflichen Aufstieg geschafft. Früh hatten die Huber-Kinder ihre Eltern verloren. Waren die drei Schwestern nun zu arm für eine Heirat und zu «vornehm» für Fabrikarbeit? Anna (1837-1919) blieb zeitlebens das ungeliebte Anhängsel in Eugens Haushalt. Emma (1843-1876), Diakonisse, starb jung. Pauline (1840-1920) von Beruf Gouvernante, sah die Welt: Sie arbeitete im ägyptischen Alexandria, wurde in London wegen Diebstahl verhaftet und verbrachte Jahrzehnte im Zarenreich.

Montag 9. Januar 2023, 14.30 Uhr:
Hinwendung zur Eidgenossenschaft, Seelenheil und Reformation, Neuorganisation der Stadt bis zum Munotbau 1460−1600

Montag 9. Januar 2023, 14.30 Uhr

Schaffhausen im Mittelalter 1045 –1600. Eine archäologisch-historische Zeitreise in vier Vorträgen durch die einstige Stadt der Superlative.

4. Vortrag: Hinwendung zur Eidgenossenschaft, Seelenheil und Reformation, Neuorganisation der Stadt bis zum Munotbau 1460−1600

KURT BÄNTELI, MAS, Vermittlung von Archäologie und Geschichte.

Die Geschichte unserer fast tausendjährigen Stadt und ihrer Bauwerke präsentiert sich in einem neuen Licht, durch die archäologischen Ausgrabungen und Gebäudeuntersuchungen der letzten vier Jahrzehnte. In den ersten drei Vorträgen wurde die neue Stadtgenese vorgestellt, mit dem Auf- und Ausbau der Stadtbefestigung, der Stadtburg, drei Klöstern und den Wohnquartieren mit ihrer Infrastruktur. Schliesslich die politische Entwicklung von der habsburgischen Landstadt zur freien, aber auch isolierten Reichsstadt, verwickelt in verschiedene Kleinkriege.

Im vierten Vortrag verfolgen wir, wie sich Schaffhausen vom Bodenseeraum abwandte und neue Beziehungen gegen Süden zur Eidgenossenschaft knüpfte. Die bald darauf folgende Reformation führte zur Neuorganisation unserer Stadt. Durch die Aufhebung der Klöster gelangte sie in den Besitz erheblicher Reichtümer. Dieser Wohlstand führte zu einem Bauboom auf dessen Höhepunkt schliesslich der Munot entstanden ist.

Eine noch nicht öffentliche, einzigartige Häuserdatenbank welche die in den Schriftquellen zwischen 1250–1780 überlieferten Stadtbewohner in ihren 600 Häusern verortet, ermöglicht grosse und kleine Einblicke in die damalige Lebensgemeinschaft innerhalb der Stadtmauern und der näheren Umgebung. Sie zeichnet ein realitätsnahes Bild des Zusammenlebens in unserer Stadt, das sich vom heutigen oft nur wenig unterscheidet, aber einen eindrücklichen Kontrast bildet zu dem verzerrten Bild eines finsteren Mittelalters das heute noch oft vermittelt wird. Tausende Schaffhauser die keinen Eingang in die Geschichtsbücher gefunden haben, lassen sich durch diese Datenbank neu entdecken und erstmals erhalten die bislang vielfach ignorierten Schaffhauserinnen ihren verdienten Platz in der Stadtgeschichte. Und schliesslich erscheinen die bekannten Protagonisten der Geschichte oft in neuen Facetten.

Montag 16. Januar 2023, 14.30 Uhr:
Vergebung – Weg zur inneren Freiheit oder reine Überforderung?

Montag 16. Januar 2023, 14.30 Uhr

Vergebung – Weg zur inneren Freiheit oder reine Überforderung?

PROF. DR. PASQUALINA PERRIG-CHIELLO, emer. Entwicklungspsychologin, Vizepräsidentin Institut für Psychologie, Universität Bern, Präsidentin Senioren-Universität, Bern

Themen rund um Schuld und Kränkung sowie um Vergebung und Versöhnung können sich zu jedem Zeitpunkt im Leben stellen. Mit zunehmendem Alter aber geht es darum, ja zur eigenen Biografie zu sagen, im Einklang zu sein mit sich und mit den Nächsten. Der Lebensrückblick und die Bilanzierung von Erfolg und Misserfolg, von Verdiensten und Schulden geben somit noch einmal die Chance, erlittene Verletzungen und eigene Schuld zur Sprache zu bringen, sich und anderen zu verzeihen und den inneren Frieden zu erlangen. Vergebung bedeutet Befreiung von der Last des Nachtragens und schützt vor Verbitterung. Allerdings ist dieser Prozess nicht immer einfach und manchmal gar unmöglich. Was sind die zielführenden Wege und was ist die Alternative?

Montag 23. Januar 2023, 14.30 Uhr:
Die Arrhythmogene Cardiomyopathie als häufige Ursache des plötzlichen Herztods bei jungen Erwachsenen

Montag 23. Januar 2023, 14.30 Uhr

Die Arrhythmogene Cardiomyopathie als häufige Ursache des plötzlichen Herztods bei jungen Erwachsenen

PD DR. MED. ARDAN M. SAGUNER, leitender Arzt, Klinik für Kardiologie, Universitäres Herzzentrum, Zürich

Die Arrhythmogene Cardiomyopathie (ARVC) ist eine erbliche, seltene Erkrankung des Herzmuskels, die vor allem bei jungen Sportlern zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen und zum plötzlichen Herztod führen kann. Häufig erkrankt die rechte Hauptkammer, aber auch die linke Hauptkammer und die Vorkammern können von der Erkrankung betroffen sein. Es kommt durch eine erbliche (genetische) Schwächung des Zellzusammenhaltes zu einer Entzündung und später narbig-fettigen Umwandlung des Herzmuskels. Dieses Substrat ist die Ursache der Rhythmusstörungen sowie einer Herzschwäche. Mit einer Häufigkeit von 1:2000 gilt die ARVC als seltene Erkrankung, ist jedoch einer der häufigsten Ursachen des plötzlichen Herztods junger Erwachsener, vor allem Ausdauersportler, da der Ausdauersport die narbig-fettige Umwandlung beschleunigt und Rhythmusstörungen provoziert. Wir am Universitätsspital Zürich haben vor einigen Jahren die Bedeutung dieser Erkrankung erkannt und ein nationales Referenzzentrum aufgebaut. Seither konnten wir uns zu einem weltweit führenden Zentrum entwickeln. Wir behandeln, gemeinsam mit unseren Zuweisern, die Mehrheit der ARVC Patienten in der Schweiz. Die Behandlung reicht von Lebensstilanpassungen über Medikamente, Katheterbehandlung bis hin zur Implantation von Defibrillatoren sowie Herztransplantationen. In Zukunft arbeiten wir gemeinsam in einem internationalen Netzwerk an Genersatztherapien, um die bisher nicht heilbare Krankheit heilen zu können.

Montag 30. Januar 2023, 14.30 Uhr:
Von alten Damen und Kurtisanen. Zum 100. Geburtstag von Friedrich Dürrenmatt

Montag 30. Januar 2023, 14.30 Uhr

Von alten Damen und Kurtisanen. Zum 100. Geburtstag von Friedrich Dürrenmatt

PROF. DR. ULRIKE LANDFESTER, Ordentliche Professorin für Deutsche Sprache und Literatur, Universität St. Gallen

Im Werk Friedrich Dürrenmatts spielt das Verhältnis zwischen Recht und Gerechtigkeit auf der einen Seite und der Unkalkulierbarkeit menschlichen Verhaltens auf der anderen Seite eine Schlüsselrolle. Die programmatische Dimension dieses Spannungsfeldes ist zumeist Männern wie den Kommissaren Bärlach und Matthäi oder dem genialen Physiker Möbius zugeordnet, die Gerechtigkeit auch mit unorthodoxen Mitteln suchen und damit zu tragischen Helden werden. Dürrenmatts Frauenfiguren dagegen sind ambivalenter gezeichnet: Grausam rachsüchtig nach einer unerträglichen Kränkung Klara Zachanassian in Der Besuch der alten Dame, amoralisch, aber liebenswert die Kurtisane in Grieche sucht Griechin, körperlich wie seelisch deformiert die Irrenärztin in Die Physiker. Immer aber sind sie furchteinflössende Figuren, halb Göttin, halb Parze, ausgesetzt in der Grauzone zwischen überlegener Intelligenz und zerstörerischem Wahnsinn. Die Vorlesung wird einige dieser Frauenfiguren vorstellen und ihrer Entwicklung in Dürrenmatts Werk nachgehen.

Montag 6. Februar 2023, 14.30 Uhr:
Was wir uns mit Huhn, Kuh, Pferd, Esel, Sau, Katze und Hund alles sagen

Montag 6. Februar 2023, 14.30 Uhr

Was wir uns mit Huhn, Kuh, Pferd, Esel, Sau, Katze und Hund alles sagen

DR. CHRISTIAN SCHMID, Mundartspezialist, Autor und Publizist, Schaffhausen

Seit Jahrtausenden leben wir mit unseren Nutz- und Haustieren zusammen. Sie nehmen nicht nur in der Welt einen wichtigen Platz ein, auch in unserer Alltagssprache haben sie sich breitgemacht. Mit ihnen benennen wir Dinge wie das Stierenauge, die Sauordnung oder den Katzensprung. Menschen können wie ein Hund jemanden anknurren oder im Galopp etwas holen; man kann sie an die kurze Leine nehmen oder anspornen. Tiere kommen in vielen Redensarten vor: ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn und dastehen wie der Ochse am Berg. Einige Tierbezeichnungen dienen als Verstärkungswörter, wenn wir sagen saukalt, hundeelend oder pudelwohl. Wohl am häufigsten schimpfen und beleidigen wir mit ihnen, sagen dummes Huhn, blöde Kuh, Esel, fauler Hund.

Der Sprachgebrauch zeigt deutlich, dass wir Nutz- und Haustiere nicht nur wertschätzen, sondern sie sozusagen «vom hohen Ross herunter» sehr oft geringschätzen, ja gar verachten. Diese Geringschätzung hat eine Jahrtausende alte Tradition von der Erhebung des Menschen zur Krone der Schöpfung über die philosophische Behauptung, dass nur der Mensch vernünftig sei und eine Seele habe, bis in die Zeit der bürgerlichen Überheblichkeit des 19. Jahrhunderts, als in der Biologie dummes Täucherhuhn noch Gattungsbezeichnung war und die Kinder in der Schule lernten, das Nashorn sei ein «plump gebautes, dummes Tier».

Montag 13. Februar 2023, 14.30 Uhr:
Gegenwärtig sein. Münchhausens Geschichten als Übungen in Geistesgegenwart

Montag 13. Februar 2023, 14.30 Uhr

Gegenwärtig sein. Münchhausens Geschichten als Übungen in Geistesgegenwart

PROF. DR. HELMUT BACHMAIER, Universität Konstanz, Fachgruppe Literaturwissenschaft

Eine bekannte Episode: Münchhausen zieht sich am eigenen Schopfe aus dem Sumpf, um sich geistesgegenwärtig selbst zu erhalten. Selbsterhaltung ist ein wesentlich neuzeitliches Prinzip, das den Menschen betrifft, das aber auch für Staaten und für die Physik (Selbsterhaltungssatz) gilt. Oder Münchhausen reitet auf einer Kanonenkugel: Aufmerksamkeit, Konzentration, geistige Präsenz sind erforderlich, sonst folgt der Absturz. Geistesgegenwart ist auch bei Wilhelm Tells Apfelschuss eine Voraussetzung für den gelungenen Treffer. Oder bei Kleist rettet sich eine Figur (die Marquise von O…) geistesgegenwärtig aus einer Notlage. Die Enzyklopädisten haben dieser geistigen Einstellung eine hohe Bedeutung beigemessen: Wenn die einzelnen Artikel (wie im Lexikon) gelesen werden, brauchen sie eine Verknüpfung durch einen aufmerksamen Geist. Schliesslich ist Kreativität ohne Geistesgegenwart nicht möglich.

Geistesgegenwart ist ursprünglich eine theologische Kategorie und bezieht sich auf den Hl. Geist und das Pfingstereignis. Spätestens seit dem 18. Jahrhundert wird diese Kategorie dem menschlichen Bewusstsein zugeschrieben.

Was Geistesgegenwart bedeutet, wie sie wirkt und was Literatur und Wissenschaften dazu geschrieben haben, wird im Vortrag behandelt.

Übrigens: Auch eine Seniorenuniversität ist ein Ort der Geistes-Gegenwart!

Montag 20. Februar 2023, 14.30 Uhr:
Demenz: die Angehörigen im Mittelpunkt. Was ich von Angehörigen lernen konnte …

Montag 20. Februar 2023, 14.30 Uhr

Demenz: die Angehörigen im Mittelpunkt. Was ich von Angehörigen lernen konnte …

DR. MED. IRENE BOPP-KISTLER, FMH Innere Medizin, spez. Geriatrie

Die Demenzerkrankung eines geliebten Menschen betrifft das ganze Familiensystem und ganz besonders die Partnerschaft.

In einem Vierteljahrhundert meiner Tätigkeit in der Memory Clinic war ich nicht nur Fachperson, sondern ich lernte unzählige Lebensgeschichten kennen. Die Angehörige zeigten mir, wie sie in den herausforderndsten Jahren ihres Lebens mit dem Schicksal umgehen. Ich lernte von ihnen, was Resilienz bedeutet und wie man Frieden schliessen kann mit einer Situation, die für Aussenstehende fast unvorstellbar ist. Der therapeutische Ansatz war immer partizipativ. Und dennoch sind Angehörige froh um eine Begleitung und Unterstützung über Jahre. In der Beziehung mit einem demenzerkrankten Menschen gibt es meist kein richtig und falsch. Es gibt unzählige Wege, die nicht moralisch gewertet werden sollten. Auf diesem Weg begleitete und begleite ich die Angehörigen immer noch.

Montag 27. Februar 2023, 14.30 Uhr:
Wie der Mensch zur Sprache kam

Montag 27. Februar 2023, 14.30 Uhr

Wie der Mensch zur Sprache kam

PROF. DR. MARTIN MEYER, Professor für Neuropsychologie, Universität Zürich

Die Frage, wie der Mensch zur Sprache kam, findet seit jeher das Interesse interdisziplinärer Forschung. Der Vortrag liefert einen zusammenfassenden Überblick über jüngste Entwicklungen aus verschiedenen wissenschaftlichen Gebieten, z. B. Anthropologie, Paleogenetik, kognitive Neurowissenschaft und funktionelle Neuroanatomie, in denen in den letzten Jahren entscheidende Einsichten über den Ursprung der Sprache gelungen sind. Auch werden eine Reihe von Aspekten behandelt, die mutmasslich einen entscheidenden Einfluss auf die Evolution der Sprache hatten (neuroanatomische Veränderungen im Laufe der Entwicklungsgeschichte der Hominiden). Am Schluss wollen wir uns der Frage zuwenden, warum Sprache auch eine Bürde für die Menschheit sein kann.

Montag 6. März 2023, 14:30 Uhr:
Mehr Pflanzen, weniger Fleisch? Was werden wir in Zukunft essen?

Montag 6. März 2023, 14:30 Uhr

Mehr Pflanzen, weniger Fleisch? Was werden wir in Zukunft essen?

PROF. DR. OEC. TROPH. MPH, SABINE ROHRMANN, Ernährungswissenschaftlerin, Universität Zürich, Leiterin des Krebsregisters am Universitätsspital, Zürich

«Fleisch ist ein Stück Lebenskraft» – mit diesem Werbeslogan bin ich in Deutschland aufgewachsen. Aber geht es nicht auch ohne? Oder mit weniger? Mit der Diskussion über die Veränderungen des Klimas und den Konsequenzen, die wir diesen Sommer deutlich gespürt und gesehen haben, stellt sich auch die Frage, welche Konsequenzen unser Ernährungsverhalten auf die Umwelt hat. In meinem Vortrag möchte ich zum einen aufzeigen, wie es derzeit mit der Ernährung in der Schweiz aussieht, und welche Vorschläge es gibt, damit unsere Ernährung zum einen gesund, zum anderen aber auch resourcenerhaltend ist.

Montag 13. März 2023, 14:30 Uhr:
Was wir in Zukunft essen: Pflanzenzucht und Nahrungssicherheit

Montag 13. März 2023, 14:30 Uhr

Was wir in Zukunft essen: Pflanzenzucht und Nahrungssicherheit

PROF. DR. UELI GROSSNIKLAUS, Pflanzengenetiker, Leiter Institut für Pflanzen und Mikrobenbiologie, Universität Zürich

Das globale Bevölkerungswachstum und die Übernutzung unserer Umwelt stellen die Landwirtschaft vor besonders grosse Probleme. Während um 1950 für jeden Erdenbürger ca. 0.3 Hektaren Ackerland zur persönlichen Ernährung zur Verfügung standen, werden es 2030 nur noch 0.15 Hektaren sein. In nur 80 Jahren musste sich also die landwirtschaftliche Produktivität verdoppeln. In Zukunft muss die Produktivitätssteigerung wegen des Klimawandels noch schneller gehen, damit für jede und jeden gleich viel Nahrung wie heute vorhanden sein wird. Tatsächlich leisten Pflanzen Gewaltiges, dank kontinuierlicher Züchtung über Jahrtausende verfügen wir heute über Kulturpflanzen, die im Vergleich zu ihren wilden Vorfahren einzig faches an Ertrag bringen. Die enorme Flexibilität pflanzlicher Genome und immer ausgeklügeltere Züchtungsmethoden haben diese für uns zentrale Erhöhung der landwirtschaftlichen Produktivität ermöglicht. Aber werden unsere Hochleistungspflanzen auch mit den sich schnell ändernden Umweltbedingungen als Folge des Klimawandels klarkommen? Wäre es nicht wichtig, modernste gentechnische Verfahren zu nutzen, um besser angepasste Pflanzensorten zu züchten, die eine nachhaltige Landwirtschaft ermöglichen?

Montag 20. März 2023, 14:30 Uhr:
Juana Inés de la Cruz: Eine faszinierende Dichterin des mexikanischen Barock

Montag 20. März 2023, 14:30 Uhr

Juana Inés de la Cruz: Eine faszinierende Dichterin des mexikanischen Barock

PROF. DR. RITA CATRINA IMBODEN, Titularprofessorin für Spanische und Hispanoamerikanische Literatur an der Universität Zürich

Das dichterische Werk und die Figur von Sor Juana – wie sie auch genannt wird – spannen einen weithin leuchtenden Bogen über die mexikanische Literatur des 17. Jahrhunderts. Juana Inés wird 1648 in Mexiko als Kind spanischstämmiger Eltern geboren. Im Jugendalter tritt sie als Palastdame und Hofdichterin in den Dienst der dortigen Vizekönige. Um einer Ehe zu entgehen und ihre Unabhängigkeit zu wahren, nimmt sie einige Jahre später den Nonnenschleier und wird zur klösterlichen Gelehrten, die neben unzähligen Auftragsarbeiten für das religiöse Volkstheater ein vielfältiges und bewundernswürdiges Dichterwerk schafft. Dieses umfasst nicht nur philosophische Schriften, sondern ebenso verspielte Liebessonette, kritische Spottgedichte über Frauen- und Männerrollen in der kolonialen Gesellschaft Neu-Spaniens, volkstümliche Liederkränze, Dramen und Komödien, bis hin zu wissenschaftlichen Abhandlungen und persönlichen Briefen an ihren Beichtvater. Heute gilt sie als herausragende Figur in der Literatur Lateinamerikas und Spaniens sowie als scharfsinnige Kämpferin für eine freie Wissenschaft und den Zugang der Frau zu Bildung und Kunst. Der Vortrag bietet einen Einblick in ihr Leben und Werk, mit Textbeispielen, welche die Aktualität und Lebendigkeit ihrer Dichtung anschaulich illustrieren.

Montag 27. März 2023 14.30 Uhr:
Gelenk-Arthrose, Gesundheitsmarkt, Moneten-Gier und Patientenprofit: Erfreuliches, Nach- und Bedenkliches aus der Welt der Kunstgelenkversorgung

Montag 27. März 2023 14.30 Uhr

Gelenk-Arthrose, Gesundheitsmarkt, Moneten-Gier und Patientenprofit

Erfreuliches, Nach- und Bedenkliches aus der Welt der Kunstgelenkversorgung

DR. MED. CHRISTOPH BRUMM, FMH Orthopädie und Traumatologie des Bewegungsapparates Leitender Arzt, Kantonsspital Schaffhausen

Der Vortrag beleuchtet die Kunstgelenkversorgung an der Hüfte:
Eine höchst erfreuliche Erfolgsgeschichte.

Dazu Fragen zum Gesundheitssystem:
Wer hat diese Entwicklung angetrieben?
Sind die Finanzierer des Gesundheitswesens auch seine Förderer?
Steht der Gesundheitsprofit des Patienten im Zentrum?

Montag 3. April 2023, 14.30 Uhr:
Religion – ein Gegenstand der Hirnforschung?

Montag 3. April 2023, 14.30 Uhr

Religion – ein Gegenstand der Hirnforschung?

PROF. DR. BRIGITTE STEMMER, kognitive Neurowissenschaften und Pragmatik, Université de Montreal

Die einen glauben an eine höhere Macht, berichten von transzendenten Erfahrungen oder besserer Genesung aufgrund ihres religiösen Glaubens. Die anderen schauen kritisch auf solche Phänomene oder Zustände, oder tun sie gar als «Spinnerei» ab. Bei solch gegensätzlichen Auffassungen werden dann häufig die Neurowissenschaften als allmächtige Wissenschaft des Gehirns zur wertfreien Klärung oder Erklärung bemüht. Allerdings geraten sie dabei nur allzu oft in den Sog theologisch-politisch-philosophischer Diskussionen. Was kann die Hirnforschung zur Klärung beitragen?

Dieser Frage gehe ich in meinem Vortrag nach. Folgende Themen werden aus neurowissenschaftlicher Sicht beleuchtet:
Das Gottes Gen – Ist Glaube fest in unseren Genen verankert?
Religiosität, Meditation, Beten: Wie reagiert unser Gehirn?
Können durch Hirnstimulation religiöse oder spirituelle Phänomene ausgelöst werden?
Welchen Effekt hat Religiosität auf die körperliche und mentale Gesundheit?
Können Krankheiten, wie beispielsweise Demenz, religiöse oder spirituelle Phänomene auslösen?

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Veranstaltungsort:

Pavillon im Park
Steigstrasse 26
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